Ausweichregeln
Wer weicht wem aus?
KVR Regeln 12–18
Die Ausweich-Pyramide
Jede Stufe weicht den darüberliegenden aus. Wer oben steht, ist gegenüber den unteren Kurshalter.
Die Grundregeln zuerst
- Überholer weicht immer aus – egal, ob Segler, Motorboot oder Fischer. Überholen heißt: Annäherung aus dem Hecklichtsektor (mehr als 22,5° achterlicher als querab).
- Kollisionsgefahr: Die Kompasspeilung zum anderen Fahrzeug steht (ändert sich nicht merklich) und der Abstand nimmt ab.
- Jederzeit Ausguck halten und sichere Geschwindigkeit fahren.
- Enges Fahrwasser: möglichst am rechten (Stb-)Rand fahren. Fahrzeuge unter 20 m und Segler dürfen große Schiffe, die nur im Fahrwasser sicher fahren können, nicht behindern.
- Verkehrstrennungsgebiet: Einbahnen in Fahrtrichtung benutzen, möglichst nicht queren – wenn doch, dann rechtwinklig. Segler und Fahrzeuge unter 20 m behindern die durchgehende Schifffahrt nicht.
- Segler unter Motor (auch mit gesetzten Segeln) ist ein Maschinenfahrzeug.
1Gleiche Kategorie – wer weicht aus?
Maschine – Gegenkurs: beide ändern nach Steuerbord und passieren sich Backbord an Backbord.
Maschine – Kreuzen: Wer den anderen an Steuerbord hat, weicht aus – möglichst hinter dessen Heck.
Überholen: Der Überholer weicht aus – auch ein Segler, der ein Motorboot überholt.
Segler – Wind von verschiedenen Seiten: Backbordbug weicht dem Steuerbordbug aus.
Segler – Wind von derselben Seite: Luv weicht Lee aus.
rot ausweichpflichtig · grün Kurshalter · Backbordbug = Wind kommt von Backbord. Luv ist die dem Großbaum gegenüberliegende Seite. Hast du den Wind von Backbord und erkennst nicht sicher, von welcher Seite ein Segler in Luv den Wind hat: Du weichst aus.
2Der Ausweichpflichtige
- Manöver frühzeitig und deutlich – so, dass der andere es sofort erkennt.
- Eine große Kursänderung statt vieler kleiner – wenn nötig Fahrt verringern oder stoppen.
- Nicht vor dem Bug des Kurshalters kreuzen – hinter seinem Heck vorbei.
- Kontrollieren, bis der andere klar passiert ist.
3Der Kurshalter
- Hält Kurs und Geschwindigkeit bei.
- Unternimmt der andere nichts: mindestens 5 kurze Töne als Warnung – und er darf selbst manövrieren, sobald klar ist, dass der andere nicht ausweicht.
- Manöver des letzten Augenblicks: Ist ein Zusammenstoß durch den Ausweichpflichtigen allein nicht mehr zu vermeiden, muss der Kurshalter handeln.
- Maschinenfahrzeug: möglichst nicht nach Bb drehen, wenn der andere an seiner Bb-Seite ist.
Typische Prüfungsfallen
- Segler trifft Fischer (beim Fischen, mit Netz oder Leinen): der Segler weicht aus.
- Wer nur mit einer Schleppangel fischt, gilt nicht als fischendes Fahrzeug.
- Segler überholt Motorboot: der Segler weicht aus – Überholen schlägt die Pyramide.
- Im engen Fahrwasser muss die kleine Segeljacht dem Frachter Platz lassen, der das Fahrwasser nicht verlassen kann.
- Ein Ankerlieger steht nicht in der Pyramide – gute Seemannschaft verlangt trotzdem, ihn frei zu halten.
- Vorrang gibt es nie „auf Biegen und Brechen“: Jeder muss alles tun, um eine Kollision zu vermeiden.